Krankheit & Krankheitsverlauf

Wenn Frauen über Gelenk- oder Rückenschmerzen klagen, denken viele Ärzte nicht gleich an Morbus Bechterew, sondern eher an Osteoporose, Arthrose oder Rheuma.

Dazu kommt auch, dass sich die für Morbus Bechterew typischen knöchernen Veränderungen an der Wirbelsäule bei Frauen erst später ausprägen und dadurch mit Hilfe bildgebender Verfahren, wie Röntgen, auch erst später entdeckt werden. Darüber hinaus beginnt die Krankheit generell schleichend mit unspezifischen Symptomen, so dass dein Arzt erst mit Hilfe verschiedener Verfahren eine konkrete Diagnose stellen kann.

Da bei Frauen im Frühstadium besonders die peripheren Gelenke wie Knöchel, Knie, Ellenbogen oder Schulter sowie die Sehnenansätze betroffen sind, können diese Beschwerden ein Hinweis auf Morbus Bechterew sein und du solltest einen Rheumatologen aufsuchen.

Morbus Bechterew ist eine chronische Entzündung deines Körpers und kann deswegen einen ziemlich großen Einfluss auf dein Wohlbefinden haben.

Dein Körper muss einiges an Kraft aufwenden, um diese Entzündung zu bekämpfen. Das schwächt dein Immunsystem und führt häufig zu Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Das nennt man auch Fatigue (sprich: Fatig). Daneben können vor allem konstanter, durch Schmerzen verursachter Schlafmangel, aber auch Angst und Depression die Ursache deiner Fatigue sein.

Sprich mit deinem Rheumatologen, wenn du dich längere Zeit müde und abgeschlagen fühlst, damit Ihr gemeinsam nach einer Lösung suchen könnt.

Im Gegensatz zur primären Osteoporose, einer im höheren Lebensalter auftretenden Abnahme der Knochendichte, tritt die sekundäre Osteoporose häufig bei rheumatischen Erkrankungen wie z.B. Morbus Bechterew auf. Die sekundäre Osteoporose kann aber auch die Folge einer Dauerbehandlung mit bestimmten Medikamenten wie z.B. Corticosteroide sein.

Generell wird der Knochenabbau auch durch Inaktivität, erhöhten Alkoholkonsum und falsche Ernährung bedingt.

Mit regelmäßigem Sport und Bewegung kannst du sowohl die Versteifung deiner Wirbelsäule möglichst lange hinauszögern, als auch der Osteoporose vorbeugen. Darüber hinaus solltest du auf Alkohol verzichten.

Durch eine ausgewogene Ernährung kannst du deinen Organismus zusätzlich unterstützen. Gemüse und Obst sollten unbedingt auf deinen Speiseplan gehören, dazu mindestens zweimal die Woche Kaltwasserfisch wie Lachs, Rotbarsch oder Scholle, da diese Fische viel gesunde Omega-3-Fettsäuren enthalten. Wichtig sind auch Mineralstoffe wie Zink, Selen und Magnesium. Diese findest du unter anderem in Haferflocken, ausgesuchten Käse- und Fleischsorten, Spinat, Kohlrabi und verschiedenen Milchprodukten. Am besten schaust du einfach mal bei unseren Ernährungstipps nach, denn da findest du ausführliche Informationen, wie du deinen Speiseplan optimieren kannst.

Um Wirbelbrüchen allgemein vorzubeugen, solltest du ein paar Hinweise beachten. Achte bei dir zu Hause auf „Stolperfallen“ wie z.B. lose herumliegende Teppiche und trage keine hochhackigen Schuhe, mit denen du leicht umknicken kannst. Rutschige Oberflächen im Bad sind ebenfalls ein Risiko, deshalb solltest du hier besonders vorsichtig sein und rutschfeste Untergründe benutzen.

Die Ursachen von Morbus Bechterew sind bis heute nicht wirklich bekannt. Auch wenn es eine erbliche Vorbelastung durch das Gen HLA-B27 gibt und Umwelteinflüsse wahrscheinlich eine Rolle spielen, sind für den Ausbruch der Erkrankung weitere Faktoren zuständig. Was man sicher weiß: Morbus Bechterew ist eine Autoimmunerkrankung, bei der dein Immunsystem gesunde Körperzellen angreift und so Entzündungen verursacht. Die Krankheit hat einen schubartigen Verlauf, der durch bestimmte Faktoren verstärkt werden kann. Dazu gehören unter anderem eine einseitige Ernährung, wenig Bewegung und Stress.

Es gibt geschlechterspezifische Unterschiede beim Krankheitsverlauf. Generell dauert es etwa 5-7 Jahre, bis die konkrete Diagnose zu Morbus Bechterew gestellt wird. Bei Frauen kann sich die Diagnose noch um bis zu 2 Jahre länger hinziehen, da ihre Rückenschmerzen anfangs nicht mit Morbus Bechterew in Verbindung gebracht, sondern eher auf Unterleibsbeschwerden zurückgeführt werden. Da sich auch die für die Krankheit typischen strukturelle Veränderungen bei Frauen erst später ausprägen, dauert es änger, bis diese auf Röntgenbildern sichtbar werden, was ebenfalls zur verzögerten Diagnose führen kann. Frauen leiden im Frühstadium vornehmlich unter Beschwerden in den Knie-, Sprungund Zehengelenken und haben Probleme mit den Sehnenansätzen.

Im Gegensatz zu männlichen Betroffenen bleiben Frauen aber länger beweglich und behalten eine aufrechtere Haltung.

Dafür kann die Schmerzbelastung bei Frauen deutlich höher sein, besonders wenn die Betroffenen schon mehr als 40 Jahre erkrankt sind.

Landläufig wird Morbus Bechterew mit Rückenschmerzen in Verbindung gebracht. Aber die Krankheit befällt verschiedene Bereiche deines Körpers. Zum einen die Zervikalregion, die den obersten Teil deiner Wirbelsäule, die Halsregion, bezeichnet. Dann können Beeinträchtigungen und Versteifungen in deiner Thorax-oder Brustregion auftreten. Dazu gehören der obere und mittlere Rücken, der deine Hals- und Lendenregion miteinander verbindet. Es kann auch zu Beschwerden in der Lumbalregion kommen; das ist der Wirbelsäulenbereich, der zwischen deinem Brustkorb und deinem Becken liegt. Bei einer Spondylarthritis kommt es vor allem im Frühstadium der Krankheit zu Beschwerden in der Iliosakralregion, dem untersten Teil deiner Wirbelsäule. Dabei werden insbesondere die Iliosakralgelenke, die sich am Übergang von der Wirbelsäule zum Becken befinden, in Mitleidenschaft gezogen, was Schmerzen in deinen Gesäßbacken verursachen kann.

Morbus Bechterew wirkt sich am häufigsten auf die Wirbelsäule aus, kann aber auch verschiedene andere Organe wie Augen, Nervensystem und innere Organe wie Herz, Lunge und Nieren befallen.

Leben & Partnerschaft

Zeig Interesse, biete Unterstützung an und informiere dich. Das ist mit das Wichtigste. Morbus Bechterew beginnt oft schleichend und verläuft dann schubweise.

Krankheitsschübe treten oft unvorhersehbar auf und können so den Alltag des Betroffenen und seines Partners gehörig durcheinander wirbeln, wenn Verabredungen spontan abgesagt oder geplante Unternehmungen verschoben werden müssen.

Auch wenn die akuten Phasen mit zum Teil erheblichen körperlichen Beeinträchtigungen einhergehen, legen die Betroffenen großen Wert darauf, ihre Unabhängigkeit zu behalten. Wichtig ist dabei besonders, dass du mit deinem Partner offen über alles sprechen kannst. Zeige Verständnis für seine Situation und gehe rücksichtsvoll mit ihm um.

Biete ihm Unterstützung an und freue dich, wenn dein Partner sie annimmt. Und sei nicht enttäuscht, wenn dein Partner erst einmal alleine zurechtkommen möchte, sondern bestärke ihn dabei.

Normalerweise hat Morbus Bechterew wenig Einfluss auf deinen Liebesakt. Körperliche Beeinträchtigungen wie Steifigkeit, Schmerzen und Abgeschlagenheit können deiner Lust aber sehr wohl einen Riegel vorschieben. Und, wie auch bei gesunden Menschen kann deine mangelnde Libido verschiedene Ursachen haben. Deshalb kommt es besonders auf Verständnis für die Betroffenen an.

Du solltest offen mit deinem Partner über alles sprechen, was eurer Zweisamkeit im Wege stehen kann. Und dann gemeinsam mit ein bisschen Fantasie und Einfühlungsvermögen nach einer Lösung suchen. Probiert doch einfach mal neue Dinge aus, z.B. eine rückenschonende Position. Letztendlich entscheiden deine Tagesform und so wie du dich gerade fühlst; deswegen verliere nicht den Mut, wenn du aufgrund eines Krankheitsschubes nicht in Stimmung bist.

Bei einer Schwangerschaft stellt Morbus Bechterew kein besonderes Risiko für dich als Mutter und dein Kind dar.

Auch hat die Krankheit weder einen Einfluss auf deine Fruchtbarkeit, noch steigt dadurch die Tendenz zu einer Fehl- oder Frühgeburt.

Bei der Geburt musst du keine besonderen Komplikationen fürchten, im Normalfall kommt das Kind auf natürlichem Wege zur Welt. Nur bei extremer Unbeweglichkeit deiner Hüftgelenke und Beckenknochen kann ein Kaiserschnitt erforderlich sein, um dich und dein Kind zu schützen.

Während Schwangerschaft und Stillzeit, solltest du allerdings deine Medikation mit deinem Arzt besprechen.

Langzeit-Anti-Rheumatika oder Biologika müssen z.B. rechtzeitig vor der Schwangerschaft abgesetzt werden, da der Wirkstoff u.a. die Wehentätigkeit hemmen kann. Daneben gibt es Medikamente, die nicht einfach abgesetzt werden können, sondern eine sogenannte Auswaschphase haben, in der die Dosis langsam reduziert wird.

Bei Männern kann die Behandlung mit bestimmten Medikamenten die Spermienproduktion beeinflussen. Ihr solltet euren Kinderwunsch also möglichst frühzeitig mit euren behandelnden Ärzten, Gynäkologen und Hebammen besprechen, damit ihr gemeinsam überlegen könnt, was für euch und das Kind das Beste ist.

Grundsätzlich gibt es keinen Unterschied in der mittleren Lebenserwartung zwischen Patienten mit Morbus Bechterew und der Gesamtbevölkerung.

Einige Faktoren hingegen können trotzdem einen gewissen Einfluss auf deine Gesundheit haben. In seltenen Fällen kann es zu Beeinträchtigungen deiner inneren Organe wie Herz, Lunge und Nieren oder zu Nebenwirkungen durch deine Medikamente kommen. Deshalb sind regelmäßige Arztbesuche zur Krankheitskontrolle wichtig, um die Krankheitsaktivität im Blick zu behalten.

Beruf & Freizeit

Um Morbus Bechterew als Behinderung anerkennen zu lassen, musst du als Betroffener einen Antrag stellen. Dabei wird nicht nur der Verlauf der Krankheit und die rein körperlichen Beeinträchtigungen bewertet, sondern auch inwieweit Schmerzen und deine seelische Verfassung dabei zu berücksichtigen sind.

Für mehr Informationen zu diesem Thema kannst du dich an dein zuständiges Versorgungsamt wenden.

Sollte dein Grad der Behinderung über 50 liegen, hast du Anspruch auf einen Schwerbehinderten-Ausweis. Darüber hinaus kann dein Arbeitgeber finanzielle Hilfen beantragen, z.B. für technische Hilfsmittel oder Fortbildungsmaßnahmen.

Weitere Informationen und Beratung zu Fragen rund um Schwerbehinderung und Arbeitsplatz bekommst du bei deinem zuständigen Integrationsamt.

Es gibt sicherlich extreme Verläufe der Krankheit, die zu größeren Beeinträchtigungen und Einschränkungen führen können – aber das ist die Ausnahme.

Grundsätzlich kannst du mit Morbus Bechterew die meisten Berufe weiterhin ausüben. Sollten deine Beschwerden dich aber doch irgendwann zu sehr in deinem Arbeitsalltag behindern, kannst du dich an deinen Arbeitgeber wenden, damit Ihr gemeinsam nach Alternativen und neuen Perspektiven suchen könnt. In Frage kommen dabei neben ergonomisch geformten Arbeitsplätzen, auch Reha-Maßnahmen und Umschulungen. Wichtig ist, dass du als Betroffener frühzeitig das Gespräch mit deinem Arbeitgeber suchst.

Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres. Das gilt für Patienten mit Morbus Bechterew genauso wie für gesunde Menschen. Es kommt einfach auf die richtige Vorbereitung an, dann ist Morbus Bechterew ganz sicher kein Hindernis bei deiner Traumreise.

Achte bei der Auswahl deiner Reiseziele, dass die klimatischen Bedingungen nicht allzu sehr schwanken und dadurch eventuell ein Krankheitsschub ausgelöst wird.

Gut geeignet sind z.B. die Gegenden rund ums Mittelmeer, die vor allem im Frühjahr und Herbst nahezu perfekte Bedingungen bieten. Aber auch die Mittelgebirge mit Höhen von 400 – 700 Metern sind gut geeignet für Menschen mit Morbus Bechterew.

Letztendlich sind die Reiseziele vielfältig, wenn du einfach auf ein paar Voraussetzungen achtest. Plane deine An- und Abreise stressfrei; achte auf genügend Bewegungsspielraum und meide allzu lange Sitzzeiten. Wenn möglich, plane kürzere Reiseabschnitte mit „Verschnaufpausen“ und Zeit für Bewegung.

Wenn du Medikamente nimmst, sprich vorher mit deinem Arzt und erkundige dich bei deinem Reiseveranstalter über die besonderen Transport-und Sicherheitsbedingungen, wenn du z.B. kühlpflichtige Biologika einnehmen musst.

Darauf gibt es zwar keine eindeutige Antwort, aber grundsätzlich gilt, dass Alkohol deinen und das kostet Kraft und Energie. Dein durch die Autoimmunkrankung ohnehin schon belasteter Körper wird es dir danken, wenn er nicht noch weiter beansprucht wird. Deswegen ist es besser, wenn du weitestgehend auf Alkohol verzichtest.